Und wie gut bremsen Sie?

Egal, ob man sich als gute/r Fahrer/in bezeichnet oder nicht – die Bremsreaktion des Menschen ist oft nicht effektiv genug, um eine Kollision zu vermeiden. Der Automobilzulieferer Continental hat festgestellt, dass 39 Prozent der Autofahrer/innen vor einer Kollision nicht bremsen, 40 Prozent aller Fahrer/innen bremsen ineffektiv. Die Folge: eine Kollision.

Perfekt bremst nur der Notbremsassistent (Quelle: Continental - Vision Zero News #1/2016)
Perfekt bremst nur der Notbremsassistent (Quelle: Continental – Vision Zero News #1/2016)

Niemand bremst besser als ein Notbremsassistent

Einem automatischen Notbremsassistenten kann kein/e Fahrer/in das Wasser reichen: Selbst bei schlechten Umweltbedingungen wie Nebel, Regen oder Dunkelheit überwachen die Sensoren alles, was bis zu 200 m vor dem eigenen Fahrzeug passiert. Aus verschiedenen Daten wie Geschwindigkeit und Abstand berechnet der Notbremsassistent, wann der/die Fahrer/in das Fahrverhalten ändern müsste, um einen Aufprall zu verhindern. Droht eine Kollision, bremst das System zu 100 Prozent ab und verhindert dadurch den Unfall. Ist das nicht möglich, wird die Aufprallgeschwindigkeit maximal reduziert, um die Unfallfolgen zu mildern.

Die Sensoren des Notbremsassistenten überwachen die Geschehnisse vor dem eigenen Fahrzeug (Quelle: Continental - Vision Zero News #1/2016)
Die Sensoren des Notbremsassistenten überwachen die Geschehnisse vor dem eigenen Fahrzeug (Quelle: Continental – Vision Zero News #1/2016)

DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2016 – Fahrerassistenzsysteme machen den Verkehr sicherer

DEKRA hat den Verkehrssicherheitsreport 2016 vorgestellt und darauf hingewiesen, dass die von der Europäischen Kommission veröffentlichen Unfallzahlen arlamierend sind: Die Zahl der Verkehrstoten ist in der EU seit 2001 im vergangenen Jahr zum ersten Mal wieder gestiegen – auf insgesamt rund 26.000 (+ 1,2 %). Das strategische Ziel der EU einer Halbierung der Zahl der Verkehrstoten bis 2020 gegenüber dem Jahr 2010 zu erreichen, ist akut in Gefahr. Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE: „Umso mehr sind alle Beteiligten aufgefordert, mit aller Macht gegenzusteuern.“

Im Fokus des diesjährigen Reports steht insbesondere der Pkw-Verkehr. Der Verkehrssicherheitsreport zeigt auf, wo die größten Potenziale für die nachhaltige Verringerung der Unfallopferzahlen liegen und welche Herausforderungen sie für Mensch, Technik und Infrastruktur bedeuten. Während insbesondere elektronische Assistenzsysteme den Verkehr sicherer machten, werde dieses positive Potenzial durch zunehmende Ablenkung im Verkehr teilweise zunichte gemacht: Verkehrsteilnehmer wenden ihre Aufmerksamkeit ab, weil sie beispielsweise ihre Smartphones bedienen. Die Gefahren hierdurch seien nicht zu unterschätzen.

Zu den DEKRA Forderungen für mehr Verkehrssicherheit zählen unter anderen:

  • eine höhere Marktdurchsetzung mit elektronischen Fahrerassistenzsystemen
  • verständliche Aufklärung über das Vorhandensein, die Funktion und die Grenzen von Fahrerassistenzsystemen sowie Klarstellung der stets gegebenen Eigenverantwortung der Autofahrenden

Ausführliche Informationen und den Verkehrssicherheitsreport 2016 stellt DEKRA auf dem neuen Online-Portal www.dekra-roadsafety.com bereit.

Parken der Zukunft

Bosch plant, auf dem Weg zum vollautomatisierten Parken in den kommenden Jahren noch eine Reihe von Parkassistenzsystemen auf den Markt zu bringen. Diese sollen Autofahrer/innen beim unfallfreien Einparken unterstützen oder ihnen das Rangieren in die Parklücke auf Knopfdruck komplett abnehmen. In Deutschland sind Parkassistenzsysteme die am weitesten verbreiteten Helfer in modernen Autos. Laut einer Bosch-Auswertung auf Basis der Zulassungsstatistik 2014 kommen sie in jedem zweiten der knapp drei Millionen im vergangenen Jahr neu zugelassenen Pkw (52 Prozent) zum Einsatz.

Rund 2 500 Ingenieur/innen – das sind 500 mehr als noch im 2015 – arbeiten bei Bosch inzwischen weltweit an der Weiterentwicklung von Assistenzsystemen. Ihre neueste Entwicklung: Parkassistenten helfen heute nicht mehr nur beim Einparken selbst, sondern auch bei der Suche nach einem geeigneten Parkplatz: Zum einen erkennen und melden spezielle Belegungssensoren freie Lücken auf Parkplätzen, in Parkhäusern oder Tiefgaragen. Zum anderen werden die ohnehin in immer mehr Fahrzeugen vorhandenen Sensoren für die Suche nach Stellplätzen am Straßenrand genutzt. Diese Informationen werden in der Bosch IoT Cloud zu digitalen Parkplatzkarten verarbeitet. Autofahrer/innen können die Karten zum Beispiel im Internet oder über ein Navigationssystem abrufen und sich direkt zu Zonen mit freien Stellplätzen navigieren lassen. Das entlastet auch die Umwelt, da die Fahrzeuge nicht mehr unnötig um den Block kreisen.

Konzertbesuch beginnt künftig nicht mehr im zugigen Parkhaus

„Parken, so wie wir es heute kennen, wird es in Zukunft nicht mehr geben”, sagt Dr. Dirk Hoheisel, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Noch vor Ende dieser Dekade sollen Autos mit Bosch-Technik ganz alleine den Weg ins Parkhaus finden. Dazu stellt der Fahrer/die Fahrerin das eigene Auto nur noch in einer Übergabezone vor dem Parkhaus ab und gibt ihm zum Beispiel per Smartphone den Befehl, sich einen Parkplatz zu suchen. Genauso kommt das Auto auf Wunsch jederzeit auch wieder vorgefahren.

Vollautomatisiertes Parken vor vollautomatisiertem Fahren in Serie

„Vollautomatisiertes Parken werden wir noch vor vollautomatisiertem Fahren in Serie sehen“, so Hoheisel. Auch, weil die rechtlichen Hürden für die Einführung des vollautomatisierten Parkens vor allem auf der Zulassungsebene geringer sind. Die nötigen Anpassungen des Verhaltensrechts, das sich unter anderem auch in Deutschland nach der Wiener Straßenverkehrskonvention richtet, stehen weltweit auf der politischen Agenda.