DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2016 – „Vision Zero“

Dem DEKRA-Verkehrssicherheitsreport zufolge haben bereits hunderte europäische Städte das Ziel von null Verkehrstoten in mindestens einem Jahr erreicht. Beim Weltverkehrsforum ITF in Leipzig hat die Sachverständigenorganisation ein Online Tool präsentiert, welches einen Überblick über alle Städte gewährt, die bereits erfolgreich für mehr Verkehrssicherheit tätig sind. Die Auswertung der Unfallstatistiken aus 17 europäischen Ländern hat ergeben, dass 462 Städte mit über 50.000 Einwohnern ein Jahr lang keinen einzigen Verkehrstoten gezählt haben – mehr als 40% aller Städte dieser Größenordnung in den untersuchten Ländern.

Interaktive Karte der DEKRA zur Vision Zero
Interaktive Karte der DEKRA zur Vision Zero

DEKRA SE-Vorstandsmitglied Clemens Klinke sieht in diesen Zahlen eine Bestätigung dafür, dass die „Vision Zero“ kein Trugbild ist. Zwar sei sie noch nicht Realität, doch das Ziel sei in zahlreichen Lebensräumen klar erreichbar und teils schon Wirklichkeit. „Umso mehr müssen die Anstrengungen weitergehen, die Verkehrssicherheit weiter zu verbessern und der Vision immer näher zu kommen – auch im Hinblick auf die Schwerverletzten“, so Klinke.

Laut Statistik passiert ein Großteil der Unfälle innerorts (im Jahr 2012 machten innerörtliche Unfälle knapp 73% aller Unfälle in Deutschland aus), dabei gibt es die meisten Schwer- und Leichtverletzten. Laut Clemes Klinke liegt dies vor allem daran, dass im städtischen Verkehr die „Starken“ (Lkw, Busse, Pkw) auf die „Schwachen“ (Fußgänger und Radfahrer) treffen, was automatisch spezielle Risiken erzeuge. Deswegen fokussiert sich der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2014 auf die urbane Mobilität und die verbundenen spezifischen Unfallrisiken.

Die DEKRA Experten haben Handlungsfelder in den Bereichen Infrastruktur, Fahrzeugtechnik und Fahrverhalten eingegrenzt und geben konkrete Ratschläge zu diesen Fragen.

Und wie gut bremsen Sie?

Egal, ob man sich als gute/r Fahrer/in bezeichnet oder nicht – die Bremsreaktion des Menschen ist oft nicht effektiv genug, um eine Kollision zu vermeiden. Der Automobilzulieferer Continental hat festgestellt, dass 39 Prozent der Autofahrer/innen vor einer Kollision nicht bremsen, 40 Prozent aller Fahrer/innen bremsen ineffektiv. Die Folge: eine Kollision.

Perfekt bremst nur der Notbremsassistent (Quelle: Continental - Vision Zero News #1/2016)
Perfekt bremst nur der Notbremsassistent (Quelle: Continental – Vision Zero News #1/2016)

Niemand bremst besser als ein Notbremsassistent

Einem automatischen Notbremsassistenten kann kein/e Fahrer/in das Wasser reichen: Selbst bei schlechten Umweltbedingungen wie Nebel, Regen oder Dunkelheit überwachen die Sensoren alles, was bis zu 200 m vor dem eigenen Fahrzeug passiert. Aus verschiedenen Daten wie Geschwindigkeit und Abstand berechnet der Notbremsassistent, wann der/die Fahrer/in das Fahrverhalten ändern müsste, um einen Aufprall zu verhindern. Droht eine Kollision, bremst das System zu 100 Prozent ab und verhindert dadurch den Unfall. Ist das nicht möglich, wird die Aufprallgeschwindigkeit maximal reduziert, um die Unfallfolgen zu mildern.

Die Sensoren des Notbremsassistenten überwachen die Geschehnisse vor dem eigenen Fahrzeug (Quelle: Continental - Vision Zero News #1/2016)
Die Sensoren des Notbremsassistenten überwachen die Geschehnisse vor dem eigenen Fahrzeug (Quelle: Continental – Vision Zero News #1/2016)

DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2016 – Fahrerassistenzsysteme machen den Verkehr sicherer

DEKRA hat den Verkehrssicherheitsreport 2016 vorgestellt und darauf hingewiesen, dass die von der Europäischen Kommission veröffentlichen Unfallzahlen arlamierend sind: Die Zahl der Verkehrstoten ist in der EU seit 2001 im vergangenen Jahr zum ersten Mal wieder gestiegen – auf insgesamt rund 26.000 (+ 1,2 %). Das strategische Ziel der EU einer Halbierung der Zahl der Verkehrstoten bis 2020 gegenüber dem Jahr 2010 zu erreichen, ist akut in Gefahr. Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE: „Umso mehr sind alle Beteiligten aufgefordert, mit aller Macht gegenzusteuern.“

Im Fokus des diesjährigen Reports steht insbesondere der Pkw-Verkehr. Der Verkehrssicherheitsreport zeigt auf, wo die größten Potenziale für die nachhaltige Verringerung der Unfallopferzahlen liegen und welche Herausforderungen sie für Mensch, Technik und Infrastruktur bedeuten. Während insbesondere elektronische Assistenzsysteme den Verkehr sicherer machten, werde dieses positive Potenzial durch zunehmende Ablenkung im Verkehr teilweise zunichte gemacht: Verkehrsteilnehmer wenden ihre Aufmerksamkeit ab, weil sie beispielsweise ihre Smartphones bedienen. Die Gefahren hierdurch seien nicht zu unterschätzen.

Zu den DEKRA Forderungen für mehr Verkehrssicherheit zählen unter anderen:

  • eine höhere Marktdurchsetzung mit elektronischen Fahrerassistenzsystemen
  • verständliche Aufklärung über das Vorhandensein, die Funktion und die Grenzen von Fahrerassistenzsystemen sowie Klarstellung der stets gegebenen Eigenverantwortung der Autofahrenden

Ausführliche Informationen und den Verkehrssicherheitsreport 2016 stellt DEKRA auf dem neuen Online-Portal www.dekra-roadsafety.com bereit.