Wieviel Wert hat ein Leben?

Für die Mehrheit ist der Kaufpreis das entscheidende Kriterium für den Autokauf. Wenige messen den Fahrerassistenzsystemen Wert bei.

Sicherheitsaspekte beim Autokauf

Bonn, 20. Oktober 2020 (DVR) – Für die Mehrheit der Bundesbürger ist der Kaufpreis das entscheidende Kriterium für den Autokauf. Nur 65 Prozent messen der elektronischen Sicherheitsausstattung, also Fahrerassistenzsystemen (FAS) großen Wert bei*. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Kampagne „bester beifahrer“ des DVR und seiner Partner. Dabei sollte der Schutz des eigenen Lebens und des Lebens anderer an oberster Stelle stehen. Fahrerassistenzsysteme in Autos helfen genau das zu erreichen.

Die Top 10 der Kaufkriterien

Das Ranking der Kaufkriterien zeigt ganz klar: Die Sicherheitsausstattung konkurriert mit dem Entertainmentsystem oder der Sportausstattung. FAS haben beim Fahrzeugkauf eine mittlere Relevanz. Dabei könnte mit Hilfe von FAS fast jeder zweite Verkehrsunfall vermieden werden.

  1.  Preis (82 %) – (2015: 79 %)
  2. Physische Sicherheitsausstattung, z. B. Knautschzone, Airbags (79 %) – (2015: 81 %)
  3. Verbrauch (77 %) – (2015: 82 %)
  4. Betriebskosten (73 %) – (2015: 75 %)
  5. Komfortausstattung (70 %) – (2015: 68 %)
  6. Elektronische Sicherheitsausstattung/Fahrerassistenzsysteme (65 %) –  (2015: 63 %)
  7. Umweltfreundlichkeit (57 %) –  (2015: nicht erfasst)
  8. Motorleistung (54 %) – (2015: 57 %)
  9. Optik (53 %) – (2015: 43 %) – gewinnt gegenüber 2015 deutlich an Relevanz
  10. Marke (48 %) – (2015: 47 %)

Übrigens: Besonders ausgeprägt ist das Preisbewusstsein bei Käufern von Kleinwagen (87 Prozent), während eben diese Fahrer vergleichsweise wenig Wert (52 Prozent) auf FAS legen. Käufer von Oberklasse-Fahrzeugen dagegen legen deutlich weniger Wert auf den Preis (68 Prozent), dafür gaben 76 Prozent dieser Käufer an, Wert auf elektronische FAS zu legen.

FAS bieten subjektiven Nutzen

Die Befragten erkennen in allen FAS einen persönlichen Nutzen. Der Notbremsassistent steht mit 85 Prozent an Platz 1, auf den Abstandsregler mit 78 Prozent auf Platz 2 folgt der Spurwechselassistent mit 75 Prozent auf Platz 3. Alle drei Systeme helfen, Unfällen vorzubeugen und unterstützen Fahrer gerade auf Autobahnen und Landstraßen, aber auch in der Stadt:

Der vorausschauende Notbremsassistent warnt den Fahrer vor Kollisionen und hilft, bestmöglich zu bremsen. Studien zeigen, dass bei Auffahrunfällen etwa jeder zweite Fahrer nicht stark genug gebremst hat. Erkennt der Notbremsassistent eine kritische Annäherung an ein fahrendes oder stehendes Fahrzeug, so bereitet er eine mögliche Notbremsung vor. Der Notbremsassistent berechnet, wie stark das Fahrzeug abgebremst werden muss, damit die Kollision vermieden werden kann, und warnt gleichzeitig den Fahrer vor der drohenden Kollision. Bremst der Fahrer dann nicht ausreichend stark, erhöht der Notbremsassistent den Bremsdruck auf das erforderliche Maß. Reagiert der Fahrer gar nicht, bremst der Notbremsassistent selbstständig. Die funktionale Ausprägung von Notbremsassistenten kann unterschiedlich sein. Dr. Stefan Benz von BOSCH erklärt: „Es gibt Systeme, die für die Geschwindigkeit im Stadtverkehr optimiert sind, andere für Situationen auf Landstraßen oder Autobahnen. Neuere Notbremsassistenten reagieren auch auf Fußgänger oder Radfahrer, einige Systeme erkennen zudem kreuzende Fahrzeuge. In vielen Situationen können dadurch Kollisionen vermieden oder abgeschwächt und das Verletzungsrisiko signifikant reduziert werden“.
Im Vergleich zu anderen FAS wird der Notbremsassistent als besonders elementar wahrgenommen und fehlt meist wegen mangelnder Verfügbarkeit: Fast die Hälfte aller Befragten (49 Prozent), die keinen Notbremsassistenten in ihrem Neuwagen haben, geben an, dass das System für das von ihnen gewählte Fahrzeugmodell nicht verfügbar war. 27 Prozent gaben an, dass der Notbremsassistent zu teuer gewesen sei, 13 Prozent kannten ihn nicht und 15 Prozent sahen keinen Mehrwert.

Abstandsregler (auch: Abstandsregeltempomaten) passen die Geschwindigkeit automatisch dem Verkehrsfluss an. Besonders für Vielfahrer bietet der Abstandsregeltempomat – von den Herstellern wird oft auch die englische Bezeichnung Adaptive Cruise Control (ACC) genutzt – eine spürbare Entlastung. Das System hält eine vom Fahrer vorgegebene Geschwindigkeit konstant oder passt diese durch selbsttätiges Gaswegnehmen, Bremsen oder Beschleunigen an das Verhalten des vorausfahrenden Fahrzeugs an. Der Abstandsregler sorgt damit für stressfreies Fahren und hilft durch einen richtig eingestellten Abstand, dass gefährliche Situationen gar nicht erst entstehen.

Der Spurwechselassistent, auch Totwinkelassistent genannt, unterstützt beim Fahrspurwechsel: Er warnt vor Fahrzeugen auf der anderen Spur, auch wenn sie schnell herannahen und sich im toten Winkel befinden. Über Umfeldsensoren überwacht der Spurwechselassistent den Bereich neben und hinter dem Auto. Wird der Blinker gesetzt, obwohl sich ein Fahrzeug auf der Nebenspur befindet oder sich nähert, warnt das System zum Beispiel über eine Anzeige im Seitenspiegel. Reagiert der Fahrer nicht durch Gegenlenken, warnen viele moderne Spurwechselassistenten dann zusätzlich haptisch oder akustisch. Der Spurwechselassistent hilft, Kollisionen mit Fahrzeugen im toten Winkel zu vermeiden und beugt Fehleinschätzungen der Geschwindigkeit anderer Verkehrsteilnehmer vor.

Der Notbremsassistent bietet am meisten subjektiven Nutzen für die Befragten
Abbildung: Bewertung des persönlichen Mehrwerts einzelner FAS; Auszug aus den Umfrageergebnissen der

Kampagne „bester beifahrer“ unter 1.000 Neuwagenkäufer/innen im März 2020

* Anfang 2020 hat der DVR und seine Partner im Rahmen der Kampagne „bester beifahrer“ 1.000 Neuwagenkäufer rund um Fahrerassistenzsysteme und deren Nutzung befragt. Teilgenommen haben Männer und Frauen ab 18 Jahren, die innerhalb der letzten drei Jahre einen Neuwagen oder ein Auto mit Tageszulassung gekauft haben und an der Kaufentscheidung maßgeblich beteiligt waren. Die Verfügbarkeit folgender FAS wurde abgefragt: Notbremsassistent, Abstandsregler, Spurhalteassistent, Spurwechselassistent, Parkassistent, Verkehrszeichenassistent, Müdigkeitswarner und Autobahnassistent.

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